Nahrhaftigkeit unserer Nahrung

„Die Nahrung ist ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.“

Fran Lebowitz

Dieses Zitat gewinnt in dem Moment an Witz, wo ‚Nahrung‘ eingesetzt wird, die nur noch begrenzt nahrhaft ist und zu einer gesunden Ernährung nicht mehr geeignet sein kann. Dies betrifft viele Fertigprodukte aus industrieller Herstellung, aber auch Obst und Gemüse aus Treibhausproduktion oder aus ferner Herkunft mit übermäßigem Transportaufkommen.

Ist Obst und Gemüse inzwischen nährstoffverarmt?

Nährstoffgehalte von Obst und Gemüse werden vom Boden, der Sorte, dem Stand- und Wuchsort, den Klimaveränderungen, der Anbauform, dem Erntezeitpunkt, dem Reifegrad, durch Transport und der Lagerungszeit in den Supermärkten, sowie dem Einsatz von Pestiziden zur Düngung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, beeinflusst.

Zur Frage nach der Qualität ist man einerseits von Nahrungsergänzungsmittel-Herstellern durch die Medien beeinflusst und andererseits, der Beschwichtigung maßgeblicher Institutionen für Ernährung und Verbraucherschutz, überlassen.

Die eine Seite unterhält Studien, die einen Nährstoffverlust in Obst und Gemüse, gegenüber früheren Proben, deklarieren, die andere Seite belegt solch vergleichende Werteskalen mit Schwankungsbereichen, um einen denkbaren Verlust, gegenüber vielen, nicht einheitlich messbaren Faktoren, vorsichtshalber abzufedern.

Es ist weithin bekannt, dass vor allem Vitamine anfällig für lange Lagerzeiten sind und lange Transportzeiten durch den Einfluss von Sauerstoff, Licht und Wärme zu einem nachgewiesenem Verlust enthaltener Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundärer Pflanzenstoffe in Obst und Gemüse führen.

Nährstoffe bilden sich dann komplett aus, wenn Pflanzen genügend Sonnen- und Tageslicht bekommen haben. Ein im August geernteter Salatkopf hat einen 3-5mal höheren Gehalt an Flavonoiden als ein im April geernteter. Erdbeeren sind im Freiland regulär im Juni und Juli voll ausgereift. Die Früh-Erdbeeren, die schon im Februar oder März zu haben sind, werden oft importiert und sind zudem verstärkt mit Pflanzenschutzmitteln behandelt, da sie ihr Wachstum unter Folie anfällig für den Befall von Bakterien und Schimmelpilzen macht. Im Freiland gewachsene Tomaten enthalten ein Drittel mehr Vitamin-C als Tomaten aus dem Gewächshaus.

Wenn wir nicht nur rote, sondern auch nahrhafte, gesunde Tomaten in gesunden Böden, ohne giftige Auswaschungen ins Grundwasser, ohne Treibhausgasemissionen und mit hoher Biodiversität wollen, dann ist der Konsum aus regionaler Herkunft deutlich effizienter. Tomaten wachsen bei uns zwischen Juni und September. Und hier sind sie aufgrund ihrer Frische, ihres identischen Aromas und damit auch aufgrund ihres höchsten Nährstoffgehalts die erste Wahl.

Jede Jahreszeit bietet das bekannte Sortiment an dafür regional typischem Obst und Gemüse. Die ersten Frühlingsboten sind Spargel, Radieschen oder Rhabarber. Der Sommer hat die Vielfalt an Salaten, Fruchtgemüse wie Paprika oder Zucchini und verschiedenen Beeren. Der Herbst hat eine Auswahl an Kürbissorten und Kohlgewächsen. Lagerware wie Kraut, Erdäpfel, Rüben, Äpfel und Birnen versorgt uns im Winter.

Die Gesellschaften für Ernährung empfehlen, Obst und Gemüse erntefrisch zu essen und lange Lagerung zu vermeiden. Möglichst frisches, vollreif gepflücktes Freilandobst und –gemüse bevorzugen und kurz nach der Ernte verzehren, bietet einzig eine regionale Ernährung und hier sollten Sie zugreifen, denn zur Erntezeit enthalten Obst und Gemüse alle wichtigen Inhalltsstoffe. Die in den jeweiligen Jahreszeiten bei uns zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel sind für eine optimale Nährstoffversorgung vollkommen ausreichend.

Die einfache Lösung ist, sich von Lebensmitteln zu ernähren, die in der eigenen Region, natürlich, und demzufolge saisonal erzeugt wurden. Wie groß eine Region mit ihrer Versorgungsstruktur sein kann, ist Auslegungssache. Der Grundgedanke ist, zwischen Erzeugung und Verbrauch möglichst kurze Wege zurückzulegen.

Sich ein regionales Versorgungsnetz zu organisieren, bedeutet:

  • Saisonal-regional ist wirtschaftlich. Wenn man Obst und Gemüse in der Hochsaison und in näherer Umgebung kauft, ist dies aufgrund des großen Angebots günstiger. Bei einem direkten Kauf von regionalen Erzeugern bleibt das Geld in der Region und kann reinvestiert werden. Regionale Ernährung stärkt die gesamte Region.
  • Ausgereiftes Obst und Gemüse ist aufgrund seines höheren Nährstoffgehalts reichhaltiger und gesünder.
  • Ein typisches Aroma kann sich nur bei ausgereifter Ware voll entwickeln und verleiht der Frucht einen deutlich besseren Geschmack.
  • Eine regional konsumierte Ernährung ist keine Einschränkung, da das, was jeweils regional zur Verfügung steht, spürbar mehr kann als alles Importierte.
  • Heimisches Obst und Gemüse enthält weniger bis gar keine Schadstoffe, wie Pestizidrückstände und Nitrat.

Der Lebensmittelkauf im Supermarkt ist in vieler Hinsicht das Gegenteil regionaler Ernährung. Produkte reisen oftmals einen großen Umweg zu Logistikzentren, geht durch diverse Hände und der Preisdruck bestimmt die Länge seines Weges. Heutzutage sind einheimische Nahrungsmittel im Schnitt zweitausend Kilometer unterwegs und wechseln bis zu sechs Mal den Besitzer, ehe sie schließlich auf den Tisch kommen. Und das sogar dann, wenn dieser Tisch in der Gemeinde steht, in der sie ursprünglich erzeugt wurden. Farbe und Größe sind für das Angebot im Supermarkt einzig ausschlaggebend. Aus z.B. dem ‚Hors-sol‘ (nicht in der Erde)-Anbau in Almeria kommend bleibt den Tomaten nur noch Farbe und Form. Fehlendes Aroma und ein fehlender Geschmack deuten auf ein mangelndes Ausgereiftsein und Untersuchungen des Nährstoffgehalts zeigen, dass eine künstliche Nachahmung komplexer natürlicher Prozesse scheitert.

Seine Ernährung auf regionale Produkte umzustellen beginnt damit, seinen Einkaufszettel zu prüfen und zu schauen, welche Produkte (Obst, Gemüse, Getreide, Fleisch, Fisch und Milchprodukte) direkt von regionalen Erzeugern erhältlich sind. In der Regel sind solche Erzeuger auf nahegelegenen Wochenmärkten zu finden. Hier ist wichtig, unbedingt nach der Erzeugung zu fragen, denn viele Händler kaufen auf dem selben Großmarkt ein, von dem die Ware im Supermarkt stammt. Wichtig ist eine ‚eigene Erzeugung‘. Darüber hinaus ist ein biologischer Anbau ein besserer Schutz für die Umwelt. Weitere Anlaufstellen sind Hofläden und Landwirtschaftsgemeinschaftshöfe.

Die Antwort auf eine mögliche Nährstoffarmut vieler ‚frischer‘ Produkte aus dem Supermarkt ist schlicht und einfach, seinen Speiseplan mit so vielen Produkten wie möglich, aus regionalem Anbau, zu gestalten.

Informieren Sie sich zu aktuell erhältlichem Obst und Gemüse aus heimischem Anbau mit Hilfe der Saisonkalender:

http://www.brigitte.de/producing/pdf/saisonkalender-obst-gemüse.pdf

http//www.ochsenherz.at/wordpress/wp-content/uploads/2015/01/Gemüsekalender-farbig-nur-ernte.pdf