Ingwer (Zingiber officinale):

Verwendet wird der frische Wurzelstock. Er gedeiht in ganz China, insbesondere aber in Süd- und Mittelchina. Ingwer wird im Herbst ausgegraben, von den feinen Nebenwurzeln befreit, gewaschen und frisch verwendet. China ist heute weltweit zum Hauptproduzenten und –exporteur für Ingwer geworden.

Die Heilwirkungen des Ingwer konzentrieren sich auf die Verdauung und die Immunabwehr. Verwendet wird hierzu vorwiegend die frische, im Herbst geerntete Ingwerknolle mit hellgelbem, saftigem Fruchtfleisch. In der medizinischen Anwendung unterscheidet man den frischen Ingwer (Shengjiang), den getrockneten Ingwer (Ganjiang) und den gerösteten Ingwer (Paojiang). Letztere sind in ihrer Wirkung stark wärmend und eher nach gezielter Indikation zu verwenden.

Ingwer ist ein hervorragendes, natürliches Mittel gegen jede Art von Übelkeit. Am besten wirkt hier ein Ingwertee (1 El geriebener Ingwer in kaltem Wasser ansetzen, nach 20 Minuten kurz aufkochen und anschließend etwa 10 Minuten leicht simmern lassen). Frischen Ingwer empfiehlt die chinesische Tradition auch bei Blähungen und Darmkrämpfen. Wie viele andere Gewürze auch, hat Ingwer eine verdauungsfördernde und krampflösende Wirkung. Bei Blähungen empfiehlt sich zum Beispiel ein Tee aus Ingwer, Koriander und Kreuzkümmel oder aus Ingwer und Kardamom bei Blähungen und weichem Stuhl. Die schmerzstillende und krampflösende Wirkung des Ingwers kann auch bei Menstruationsbeschwerden gut eingesetzt werden, und zwar dann, wenn diese mit Kälteempfinden einhergehen.

Frischer Ingwer wirkt stark schweißtreibend und kann darüber eine beginnende Erkältung abwehren. Nach TCM-Verständnis treibt Ingwer eingedrungene Infektionsträger durch die Poren der Haut wieder zurück nach draußen. Hierzu ist wichtig, dass die Erkältung noch im Anfangsstadium abgefangen wird, also solange man fröstelt, der Hals kratzt oder juckt, aber bevor Fieber und starke Halsschmerzen einsetzen. Bei ersten Anzeichen einer Erkältung, Kältegefühlen oder beginnendem Schnupfen kann man alle zwei Stunden eine Tasse Ingwertee trinken und damit einer Erkältung entgehen.

Darüber hinaus ist Ingwer auch für chronische Atemwegserkrankungen ein gutes Mittel. Er wirkt hustenstillend und schleimlösend und kann bei allen Formen von chronischer Bronchitis oder Asthma eingesetzt werden, die durch Kälte verursacht werden oder von einem Kältegefühl begleitet werden. Ingwer stärkt außerdem die Immunabwehr. In der kalten Jahreszeit kann eine Tasse Ingwertee zum Schutz vor Erkältung beitragen.

Ingwer ist jedenfalls ein geeignetes Mittel bei allen Störungen, die durch Kälte begleitet sind. Kontraindikationen für frischen Ingwer liegen in seiner wärmenden Eigenschaft, die durch vermehrtes Schwitzen die Körperflüssigkeiten zu stark schädigen kann. Vorsicht ist in den Fällen geboten, in denen es Zeichen für Hitze gibt. Konkret heißt das,

  • den Magen betreffend: Achtung bei brennenden Magenschmerzen bzw. entzündlichen Magenleiden, einem stark übersäuerten Magen, Gallensteinen, trockenem Mund und Lippen mit starkem Durst und Lust auf kühle Getränke, sowie Hitzegefühlen (sowohl tagsüber als auch nachts).
  • den Darm betreffend: Achtung bei Hämorrhoiden mit Blutverlust und brennendem Gefühl am After, trockenem und/oder stark übel riechendem Stuhl.
  • die Lunge betreffend: Achtung bei Fieber (Frösteln mit leichtem Fieber ist kein Problem), trockenem Husten, Husten ohne Auswurf, Husten mit blutigem Auswurf und Husten, der vor allem nachts einsetzt.
  • im Allgemeinen: Achtung bei Hitzegefühlen (sowohl tagsüber als auch nachts), Nachtschweiß, starkem Schwitzen, Schlafstörungen (in diesem Fall den Ingwer nur vormittags einsetzen) und bei Bluthochdruck.
  • in der Schwangerschaft ist Ingwer ebenfalls kontraindiziert.
  • vor Operationen sollte kein Ingwer gegeben werden, da er eine blutverdünnende Wirkung hat.

Wenn Sie Ingwerknollen kaufen, achten Sie darauf, dass sie sich fest anfühlen und die Haut glatt und prall ist. Schrumpeliges Aussehen deutet darauf hin, dass die Knolle bereits von Innen vertrocknet ist. Zur Verwendung waschen Sie den Ingwer, schneiden ihn mit Schale in Scheiben und kochen ihn z.B. zur Aromatisierung einer Suppe mit, nehmen ihn dann aber wieder heraus. Wenn Sie ihn in der Suppe belassen möchten, ist geriebener Ingwer noch feiner. Es gibt dafür eigene Ingwerreiben aus Keramik. Lagern Sie Ingwer am besten im Kühlschrank und wickeln ihn nicht in Plastik ein, da er leicht schimmelt.

Rezept für den Winter:

Ingwer-Brat-Erdäpfel mit Rosenkohl

Zutaten: 600g festkochende Erdäpfel, walnussgroßes Stück Ingwer, 500g Kohlsprossen; eine Zwiebel, eine Knoblauchzehe, frische Petersilie, frischer Thymian, etwas frisch gemahlener Muskat, Salz, frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, Bratöl (z.B. Mazola)

Zubereitung: Erdäpfel waschen und in gesalzenem Wasser zustellen. Kurz aufkochen und anschließend bei geschlossenem Deckel und kleiner Hitze kochen, bis sie sich durch und durch gleichmäßig weich anfühlen. Abgießen, etwas abkühlen lassen, schälen und beiseite stellen. Von den Kohlsprossen die Außenblätter entfernen, den Strunk kürzen und an der Unterseite kreuzförmig einschneiden. In gesalzenem Wasser leicht wallend garen, bis sie weich sind. Abgießen und ebenfalls beiseite stellen. Währenddessen die Zwiebel in feine Würfel schneiden und den Knoblauch kleinhacken. Etwa 3 Esslöffel Bratöl in einer Pfanne erhitzen und darin die Zwiebel anschwitzen. Den Knoblauch, sowie die in Scheiben geschnittenen Erdäpfel und die Kohlsprossen dazugeben und anbraten. Mehrmals gut durchschwenken. Den Ingwer schälen, auf der Keramikreibe fein reiben und in der Pfanne verteilen. Die Petersilie kleinhacken, den Thymian zupfen und ebenfalls in die Pfanne geben. Mit Muskat, Salz und Pfeffer würzen und mehrmals gut durchschwenken.