Traditionelle Chinesische Medizin

Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) hat eine Jahrtausende-alte Geschichte. Viele Schriften zur Chinesischen Diätetik und Kräutern aus dieser Zeit haben heute noch höchste klinische Relevanz. Insbesondere die Klassifizierung der Nahrungsmittel bezüglich ihrer Wirkweise mit der schulmedizinisch-diätologischen Herangehensweise zu kombinieren, ist die richtige Antwort auf die Anforderungen unserer Zeit. Innerhalb dieses erweiterten Spektrums lässt sich die Ernährung weitaus individualisierter auf das jeweilige Krankheitsmuster zuschneiden. Somit bekommt eine gezielte Ernährung im Alltag den Stellenwert einer therapeutischen Maßnahme und wird zur Grundlage der Gesunderhaltung. Nicht nur die Diätetik der Chinesischen Medizin, sondern auch die Akupunktur und die Chinesische Kräutertherapie sind für eine umfassende Therapie empfohlen.
Die große Stärke der TCM ist die individuell abgestimmte Behandlung. Die Therapie wird gezielt auf den Patienten zugeschnitten. Sie behandelt nicht nur die Symptomatik, sondern geht mit systematischer Differenzierung des Krankheitsmusters bis an die Wurzel einer Erkrankung und kann genau damit bei vielen Krankheiten und Leiden äußerst effektiv sein. Hieraus ergibt sich oft, dass Patienten mit derselben Erkrankung unterschiedlich behandelt werden.

Die TCM hat kontinuierlich, über zwei Jahrtausende, eine Klassifikation von Nahrungsmittel bezüglich ihrer Wirkung dokumentiert und diese anhand von Thermik, Geschmack und daraus abgeleiteter Wirkrichtung eingeteilt. Diese empirisch gesammelten Daten sind wichtige Kriterien für den Einsatz von Nahrungsmitteln auf energetischer Ebene.

Aus jeder Geschmacksrichtung (süß, sauer, salzig, bitter, scharf) und der jeweiligen Temperaturklasse (kalt, kühl, neutral, warm, heiß) eines Nahrungsmittels ergibt sich, auf demselben diagnostischen System basierend, eine therapeutische Einsatzmöglichkeit. Es gibt also zum Beispiel scharf-heiße Nahrungsmittel wie Ingwer, der einen bekanntlich zum Schwitzen bringen kann und es gibt bitter-kalte Nahrungsmittel wie Grapefruit mit einer im Körper nach-unten absenkenden und beruhigenden Wirkung. Mit der genauen Klassifizierung der Nahrungsmittel in der TCM wird die Ernährung energetisch typgerecht anwendbar.

Eine kleine Einführung in die TCM:

Yin und Yang
Für das Verständnis des in der chinesischen Heilkunde häufig verwendeten Begriffes ‚Muster‘ ist wichtig zu wissen, dass sich die TCM zur Erkennung eines Krankheitszustandes einander bedingender Parameter in Form von Gegensatzpaaren, wie z.B. Yin/Yang, Fülle/Leere, Kälte/Hitze oder Innen/Außen bedient. Die sich daraus abgeleiteten, komplexen Muster-Beschreibungen ermöglichen es unter Berücksichtigung dynamischer Prozesse, den Stand eines Krankheitsverlaufes, individuell und zeitlich, genau zu interpretieren.

Qi
Das Spannungsfeld energetischer Einflüsse, dem jeder Mensch unterliegt, das energetische Potential, das den Körper wie Flüsse und Seen in einer inneren Landschaft durchströmt, wird im Chinesischen als Qi bezeichnet. Nach Jahrtausende langer Erfahrung fließt dieses Qi in zyklischer Abfolge auf definierten Leitbahnen. Alle Lebensäußerungen eines Individuums sind als der Ausdruck seiner energetischen Gegebenheit zu verstehen. Ziel der TCM ist, die energetische Situation, die Gegebenheit der Qi-Dynamik zu verstehen und diese bei krankhafter Entgleisung richtig zu bewerten. Daher sind alle Ebenen von Befindlichkeit wichtig für eine individuelle Behandlung.
Funktionskreisgefüge
Die TCM hat im Laufe der Jahrhunderte die Arbeit mit den Symptomen, den Lebensäußerungen und Phänomenen präzisiert, indem sie ihre Aussagen in eine klar systematisierte Ordnung gebracht hat. In dieses System ordnet der TCM-Praktiker seine Beobachtungen ein und identifiziert darüber Schwachstellen im Funktionskreisgefüge. Bestimmte Krankheitssymptome deuten in entsprechender Weise auf Unregelmäßigkeiten in eben diesen Funktionskreisen hin. Gemessen an unterschiedlichen Leitkriterien werden Abweichungen genau eingeordnet und als Disharmonie-Muster ausgewertet. Gegenüber der Gesamtschau der Befunde ist die exakte Formulierung einer Diagnose Voraussetzung für ein therapeutisches Handeln.
Die Diagnose
Indem der TCM-Praktiker alle verfügbaren Daten zu einer lückenlosen Anamnese aufnimmt, den Menschen in seiner Ganzheit sieht und die bestehenden Ordnungssysteme auf die energetischen Abweichungen hin abgleicht, kommt er zur Diagnose.  Alle anschließenden Therapiemaßnahmen beruhen auf denselben ordnenden Strukturen, wie sie für das Erstellen der Diagnose vorgegeben sind.

Die Therapie
In der TCM stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Neben der Akupunktur wird die Verabreichung von Chinesischen Kräutern am häufigsten eingesetzt. Hierbei wird eine individuell zusammengestellte Rezeptur als Abkochung (Dekokt) oder in Pillenform verabreicht. Diätetische Maßnahmen werden in der TCM als Voraussetzung von Gesundheit gesehen und ergänzen den Heilungsprozesses. Diese drei Verfahren gelten neben Qigong und Tuina als die Hauptsäulen der TCM.
Behandlungsziel
Die therapeutische Absicht knüpft an die diagnostische Aussage an: Beispielsweise werden Blockaden des Qi-Flusses gelöst, der Qi-Fluss gekräftigt oder krankhaftes Qi aus dem Körper eliminiert. Mit dem Anstoßen der energetischen Lebenskraft durch die TCM-Therapie soll die Vitalität und Kraft des Körpers aktiviert werden. Spezifische Schmerzlinderung, Aktivierung des Immunsystems, neuronale Belebung oder Lösung muskulärer Verhärtungen, mit seiner Qi-modulierenden Funktion kann die TCM bei vielen Erkrankungen zielsicher eingesetzt werden.